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Mittelschule, Kindergarten und Onsen

Am Mittwoch Vormittag war fuer die ATS ein Besuch in einer nahegelegenen Grundschule angesagt. Da die Schueler nicht vor 8.40 Uhr ins das Schulgelaende kommen sollten/durften/konnten, lud ich auch meine Kinder mit ins Auto, damit ich sie danach gleich bei ihrem Kindergarten abliefern konnte. Der ungefaehre Ort der Mittelschule war schnell gefunden, allerdings hatte die eine Gastfamilie vom letzten Jahr nicht uebertrieben, als sie sagte, dass die Schule schwer zu finden war. Da nicht mehr soo viel Zeit uebrig war, um wirklich nach dem Haupteingang zu suchen, setzte ich K. nur an der einen “Zufahrtsstrasse” fuer die Mittelschueler ab und hoffte mal, dass sie so den Haupteingang und ihre Leute schnell finden wuerde. Gluecklicherweise war es wohl absolut kein Problem, wie sie mir abends erzaehlte.

Nach dem Besuch der Mittelschule ging es fuer die ATS in den nahegelegenen Kindergarten, wo sie mit den Kindern tanzten und Mittag assen. Die lokale Zeitung liess sich das auch nicht entgehen und schrieb einen Artikel mit einem Foto darueber.

Nach dem Essen liefen die ATS wieder zu der Oberschule zurueck, wo wir sie am Abend wieder abholten. Ich hatte fuer den letzten Abend ein Besuch in einem Onsen geplant. K. war zwar etwas nervoes, aber wollte es unbedingt mal ausprobieren, aber hatte es aufgrund der fortgeschrittenen Zeit schon abgeschrieben. Sie war mehr als erfreut, als ich ihr morgens sagte, dass sie ihre Sachen fuer das abendliche Bad rauslegen sollte, damit ich sie dann fuer sie mitnehmen koennte.

Bei der Oberschule angekommen, fanden laengere Abschiedszeremonien zwischen den ATS und den Oberschuelern teil. Besonders unser Kleiner war auch absolut populaer, und ihm schien es gut zu gefallen, von mehreren jungen Damen auf den Arm genommen zu werden. Als mehrere von ihnen seufzend sagten, dass sie ihn und seine Schwester doch so gerne noch mal wiedersehen wollten und es zutiefst bedauerten, dass es nicht ging, lud ich 3 von ihnen spontan ein, uns doch mal zu besuchen. Immerhin ist es nicht sooo weit bis zu unserem Zuhause. Und die Freude der Maedchen war unbeschreiblich und kaum zu uebertreffen. Und doch steigerte sie sich, als sie hoerten, dass wir ab Maerz eine ATS aufnehmen werden.

Auf dem Weg zum Onsen verstand unsere Grosse endlich, dass wir nicht erst nach Hause fahren sollten. Als sie das Onsen sah, huepfte sie vor Freude im Quadrat und konnte sich kaum beruhigen. Wir hatten K. ein kurzes Programm von TradJapan ueber SENTOU 銭湯, oeffentliche Baeder in Japan, gezeigt, wo sie gleichzeitig auch einen guten Eindruck bekam, wie man sich in Onsen zu verhalten hat, so dass sie sich ohne grosse Erklaerungen hinsetzte und sich abschrubbte, bevor sie ins Wasser ging. Auch wenn es ihr erstes Mal im Onsen war, fand sie es toll. Ich fragte sie zwischendurch, ob sie “raus” wollte, was sie erst als “das Bad verlassen” verstand und vehement verneinte. Als aber die Kinder auf eine voellig andere Tuer zustuermten, war sie doch etwas ueberrascht und fragte noch einmal nach, was da sei. Und zu ihrer grossen Ueberraschung hoerte sie, dass dort 露天風呂 Rotemburo seien, also Baeder unter freiem Himmel. Sie fand es cool, im Dezember nackig im Garten zu sitzen, ohne dass es ihr kalt war.

Ich machte mir etwas Sorgen, weil ja die Kinder seit dem kleinen Imbiss gegen 4 Uhr noch nichts weiter gegessen hatten. Aber sie gefragt, wurde mir vehement gesagt, dass sie keinen Hunger haetten und noch nicht bereit waeren, das schoene warme Bad zu verlassen. Als ich sie doch endlich aus dem Bad rausbuxiert und angezogen hatte, musste ich zu meiner grossen Ueberraschung feststellen, dass es schon 9 Uhr abends war. Also ging es schnell nach Hause zum Essen. Gluecklicherweise waren ja die Kinder doch gebadet und umgezogen, so dass nach dem Essen nur noch Zaehneputzen und ins Bettgehen uebrig blieb. Mein Kleiner kam ohne Kommentar zu Mama schlafen, aber unsere Grosse weigerte sich konsequent und sagte, dass sie unbedingt bei ONEECHAN schlafen wolle. Es war der letzte Abend, und so verabschiedete ich mich und ging mit meinem Soehnle schlafen.

Kleines Maedchen wird gross

Ich hatte schon geschrieben, dass ein Zahn unserer Kleinen angefangen hatte zu wackeln. Gestern erinnerte mich Toechterchen wieder daran, und als ich den Zahn anfasste, stellte ich zu meinem Erstaunen fest, dass er nur noch durch das Zahnfleisch gehalten wurde und es sich nur noch um Stunden handeln konnte, bis er rausfaellt. Goettergatte weigerte sich aber konsequent, irgend etwas dagegen zu tun, das sei hier nicht ueblich und auch schlecht.

Toechterle ass ihr Stueck Wassermelone auf und lief ins Badezimmer zu ihrem Papa. Als sie zurueckkam, zog sie ihre Lippen auseinander und praesentierte mir stolz ihre erste Zahnluecke. Auf meinen fragenden Blick hin wiesen beide auf den Wassermelonenteller, auf dem ein kleines weisses Kruemelchen lag: Der erste Milchzahl, der rausgefallen ist. Bei uns in der Familie hiess es immer, dass man in die Schule koennte, wenn das passiert. Aber Toechterle darf darauf noch knapp 1,5 Jahre warten, da sie genau nach der Grenze fuer das Einschulungsalter geboren wurde und es keinerlei Ausnahmen zu der Regel gibt: Das Ueberspringen selbst auch von einem Jahr ist nicht erlaubt, und Sitzenbleiben im deutschen Sinne passiert nur in Ausnahmefaellen, wenn aufgrund zuviel Abwesenheit in der Schule die Anzahl der Mindestschultage unterschritten wurde.

Ein kleiner Gast

Jedes Mal, wenn unsere Grosse und ihre beste Freundin zufaellig zur gleichen Zeit abgeholt werden, quengeln beide Maedchen, zugegebenerweise meine Tochter mehr als die Freundin, rum, dass sie doch bitte schoen zusammen nach Hause fahren. Daher einigten sich die Mutter der Freundin und ich darauf, dass meine Grosse vom Sonnabend zum Sonntag bei ihrer Freundin uebernachten wird. Allerdings traf ich die Mutter am Freitag wieder, wo sie mir bedauernd erzaehlte, dass sowohl sie als auch ihr Mann am Wochenende arbeiten muessen und es nicht ginge. So schlug ich das Naheliegendste vor: Die Mutter hinterlegt am Sonnabend Kindersitz und Uebernachtungsset im Kindergarten, und wir holen dann eben nicht 2, sondern 3 Kinder ab. Die Mutter war aeussert dankbar, und die beiden Maedchen Feuer und Flamme. Bis zur Bettgehzeit war auch unser kleiner Gast weitestgehend gut drauf, auch wenn die Kleine kaum etwas zu Abend essen wollte. Aber zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass es eventuell andere Essgewohnheiten sind, dass sie unseres nicht so mag. Gluecklicherweise konnten wir sie mit Onigiri- Reisbaellchen satt bekommen.

Zur Badezeit war wieder Hochstimmung unter den 3 Kindern. Die beiden Maedchen strahlten auch noch, als sie sich ins Bett legten. Aber wenn man aufgeregt ist, kann man natuerlich nicht schlafen, und bei unserem kleinen Gast stellte sich auch langsam Heimweh ein. Allerdings war die Zeit auch schon so fortgeschritten, dass ich die Eltern nur noch ungern wecken wollte, besonders, weil sie ja am naechsten Tag frueh aufstehen muessen. Ich optierte also auf mich zu den Maedchen zu legen und der Kleinen die Hand zu halten. Und sie wurde ruhiger und schlief schliesslich auch ein. Soehnle liess sich natuerlich auch nicht nehmen, mit auf den Futons im Kinderzimmer zu schlafen, so dass wir schliesslich zu viert dort die Nacht verbrachten.

Trotz der spaeten Einschlafzeit standen die Kinder erstaunlicherweise frueh auf. Allerdings hatte das Schlafen nicht bewirkt, dass das Heimweh wegging, so dass die Kleine beim Fruehstueck einen wie zugeschnuerten Hals gehabt haben muss und saemtliches Essen verweigerte. Ich rief die Mutter an, und sie versprach mir, mit ihrem Chef zu sprechen, dass sie an dem Tag doch mal frueher gehen duerfte. Dann hiess es sich fuer den Kindergottesdienst fertig zu machen, und mit der Hochstimmung unserer Kinder stieg auch die Stimmung bei unserem Gast, und alles Heimweh war vergessen. Nach dem Kindergottesdienst stuerzte sie sich mit den anderen Kindern auf die Spielzeuge dort und haette nicht gluecklicher aussehen koennen. Die Mutter teilte mir mit, dass sie um 11.45 Uhr in der Kirche sein wuerde, genau richtig zum gemeines Gedenkessen an die Verstorbenen. Und dann fuhr ein absolut glueckliches kleines Maedchen mit ihrer Mama nach Hause, und diese Hochstimmung sollte bis weit nach der normalen Schlafzeit nicht abnehmen. Auf alle Faelle wollen wir so etwas bald mal wieder machen, dann wird wohl unsere Tochter zum Leidwesen von Soehnchen zu ihrer Freundin zum Uebernachten fahren.