Higanbana’s Blog

Ein Jahr mit AYUSA – Sono Go

31. Mai 2009 · Kommentar schreiben

Da sich unsere Betreuerin entschied, zum Endes des Jahresprogrammes 2007/08 ihr Handtuch zu werden, da selbst sie die Nase voll von AYUSAs Einstellung hatte, suchte AYUSA notgedrungen nach einer Nachfolgerin. Interessenshalber schaute ich mir die Ausschreibung auch mal an, weil mich auch mal interessierte, ob sie endlich diese sinnlose Einteilung von „eine Frau betreut gleichzeitig den Norden Honshuus und den ganzen Sueden, aber ohne Okinawa und Hokkaidou“ aufheben wuerden. Aber nein, sie suchten wieder eine Frau mit Wohnsitz im Grossraum Tokyo, die sich um Betreuung und Familiensuche in den Regionen kuemmern solle. Und sie solle Deutsch und Englisch sprechen, aber das schienen echt die einzigen Bedingungen zu sein, die AYUSA an ihre Mitarbeiterin zu stellen schien. Nichts von irgendwelchen professionellen Voraussetzungen als ein Betreuer von jungen Menschen, die sich durch 5 bis 10 Monate in einem Land mit einer voellig anderen Kultur und Sprache kaempfen muessen.

Auf dem Betreuerseminar von YFU in Deutschland wird als eine der wichtigsten Sachen die enorme Bedeutung von „Gut zuhoeren“ vermittelt. Das groesste Problem von Frau K. war allerdings, dass sie das im Regelfall nicht machte. Ich moechte etwas zu ihrer Ehrenrettung sagen, dass sie ja hauptsaechlich mit den Deutschen in einer Sprache kommunizieren musste, die sie nicht unbedingt sehr gut sprach. Aber trotzdem, selbst bei Schuelern, die doch ziemlich frei auf Japanisch kommunizieren konnten, war genau das gleiche Problem aufgetreten. Und wenn dann bei jemandem aus „mal ein paar Sachen nicht moegen“ ein „jemand isst nur 4 Gerichte und schluckt dazu Multivitamine“ gemacht wird, dann zeigt das schon auf, wie gross das Kommunikationsdefizit war.

Ich bin ja immer interessiert, wie es ATS erging und ergeht, aber als eine der wichtigsten Sachen dabei muss die Privatssphaere von Schuelern und Familien geschuetzt werden. Ich habe ja schon manchmal etwas geschluckt, wenn ich so Sachen von aktuellen Schuelern mit Namen hoerte, obwohl da die obenbeschriebene Sache und der dadurch entstandene Konflikt in der Familie das Heftigste war. Aber wo nicht nur ich wirklich sauer war, war, als L. von einem anderen ATS ganz nebenbei gesagt bekam: „Frau K. war gekommen, die Schule zu ueberreden, dich nicht rauszuschmeissen. Wie, du wusstest das nicht? <unglaeubiges Gesicht>“ Anstelle wirklich mal mit allen Betroffenen zu reden und mit offenen Karten zu spielen und ueber Moeglichkeiten zur Situationsloesung nachzudenken, wird nur alles vertuscht und einem hoechstens kleine Bissen vorgeworfen. Aber ein solches Problem dann auch noch anderen GF gegenueber zu erzaehlen, ist schon das Letzte und ein glatter Vertrauensbruch.

Dabei war Frau K. noch das Beste, was AYUSA an Betreuern zu bieten hatte, weil sie trotz allem doch eigentlich nur das Beste wollte. So hatte sie z.B. bis zum Jahr 2006/07 eine Woche Fahrt fuer die ATS organisiert, damit sie auch etwas mehr vom Lande, besonders auch die Gastorte der anderen sehen. Und in den Neujahrsferien organisierte sie eine Fahrt nach Hiroshima und dann fuer ATS eine Teilnahme an einer „Free School“, eine Internatsschule fuer Schueler, die aus irgendwelchen Gruenden nicht an normalen Schulen teilnehmen koennen oder wollen. Dass L. nicht mitfuhr, weil ihr ein Besuch bei ihren Gastverwandten wichtiger war, ist eine ganz andere Sache.

Allerdings fuhr die Verwaltung in Tokyo solche Moeglichkeiten wohl immer weiter in den Keller und strich und kuerzte, was das Zeugs haelt. Auch wenn das auf Kosten der Aufsichtpflicht ging. Zu Programmbeginn wurde eine sogenannte zweitaegige Orientierung durchgefuehrt, aber das Einzige, was so grossartig gemacht wurde, war die Leute mal mit in einen japanischen Supermarkt zu nehmen und abends zu dritt ins gemeinsame Bad zu schicken. Und es wurde ein Japanischtest durchgefuehrt, um zu sehen, welches Niveau vom Japanese Language Proficiency Test (JLPT) die Schueler haetten. Aber selbst unserer, aus verschiedenen Gruenden fast Null Vorkenntnisse besitzende ATS wurde dann der Test Niveau 3 aufgedrueckt, obwohl schon da zu sehen war, dass das einfach nicht zu schaffen war.

Fuer das erste Dezemberwochenende wurde das Mittelseminar angekuendigt, dass aber nur ein „Wir schreiben alle den JLPT.“ war. Am Sonnabend wurde angereist, dann wurden die Schueler zum letzten Lernen geschickt, der Test wurde geschrieben, bevor es dann wieder am Montag Mittag nach Hause ging. Aber was mir dann Frau K. und auch L. zu den Ablaeufen erzaehlte, zog mir echt die Schuhe aus: Da es sich ja leider um ein Wochenende handelte, haette ja eine Beaufsichtigung der wohlgemerkt minderjaehrigen Schueler (!) Verzicht aufs Wochenende bedeutet. Also wurden sie mit der Drohung, beim Verlassen des Hotels aus dem Programm geworfen zu werden, alleine ins Hotel geschickt. Und einige widersetzten sich dem doch und trieben sich alleine in Tokyo rum. Und um an dem Wochenende wenigstens etwas zu bieten, irgendwelche Diskussionen oder Sammeln von Erfahrungen oder Erfahrungsaustausch unter der Leitung von jemandem fanden natuerlich nicht statt, wurde eine Nachtbustour gebucht und die Beaufsichtigung der KINDER im japanischen Verstaendnis dem Tourveranstalter ueberlassen. Ich hatte mal Frau K. gefragt, warum denn dann nicht Ehemalige, von denen es in Tokyo doch genuegend geben duerfte und die bestimmt liebend gerne ein Wochenende fuer ATS „geopfert“ haetten, gerufen wurden. „MENDOUKUSAI“ – Zu viel Aufwand! Aber eine Rundmail ist doch nun nicht so ein Problem. Aber das Fuehren von einer entsprechenden Datenbank schon. (O_O)

Und da ja die ATS nervig sind, wurden sie am Montag so schnell es ging im wahrsten Sinne des Wortes wieder abgeschoben. Selbst jemand, der nur eine halbe Stunde mit dem Zug wegwohnte, durfte den Shinkansen nicht umbuchen und etwas laenger in Tokyo bleiben, sondern wurde wirklich in den 13.00 Uhr Zug gedraengt! Und eigentlich war urspruenglich mal geplant gewesen, dass Frau K. alle ihre ATS aus dem Sueden mit dem Zug nach Hause begleitet und sie dann einen Tag in Kyoto uebernachten (auf eigene Kosten wohlgemerkt) und sich dort noch einiges anschauen, bevor es wieder nach Hause geht. Also fuer AYUSA waere das nicht teurer geworden,  ja eher billiger, weil Flugtickets hier so unverschaemt viel kosten. Aber nein, das gehe nun wirklich nicht und sei MENDOUKUSAI, daher wurde es nicht zugelassen.

Da L. ihre Gastverwandten lieb gewonnen hatte, haette sie sie gerne noch einmal laenger nach Programmende besucht. Und es war auch urspruenglich mal so, dass ATS bis zu 2 Wochen laenger im Lande bleiben durften. Aber das waere ja nur nervig, also wurde alles gemacht, um ATS zu bewegen, doch mit allen anderen zusammen den gleichen Flug zu nehmen. Es wurde sich z.B. geweigert, fuer den Fall die nicht unerheblichen Anreisekosten aus dem Gastort nach Narita (Flughafen) zu uebernehmen und L. nahezu erpresst. Und ueberhaupt sollte ja das Programm am 30.6. enden, aber da das leider auf ein Wochenende gefallen war, haette das ja Arbeit bedeutet. Also wurde das Programm einfach 4 Tage vorher als zuende erklaert.

L. hatte dann nur das Glueck, dass sie auch wegen ihres Stresses mit der Klassenleiterin die letzten 3 Tage schulfrei bekam, und wir nur so anstelle des Flugtickets ein Bahnticket vom Wohnort der Gastverwandten nach Tokyo fuer sie buchten. Aber selbst da musste sie den extrem fruehen Zug nehmen, damit sie ja mit allen anderen dann gemeinsam den Zug nach Narita nehmen kann. Die Fahrt dahin fand wohl auch ohne Begleitung statt.

In der Herberge am Flughafen passierte natuerlich auch nichts mehr, keine selbst noch so kurze Aufarbeitung der letzten 10 Monate. Frau K. liess sich noch einmal sehen, und was dann geschah, laesst mich immer noch wuetend werden. Sie wollte wissen, wie japanisch ich nun sei (Gut, verstehe ich noch, auch wenn ich nicht verstehe, was denn „japanisch“ sein solle. Als ob alle Japaner gleich seien…) Und dann gab sie mir echt mir alle Schuld, dass L. diese Probleme mit der Schule gehabt hatte. Aeh, was soll das denn? Auf der einen Seite kommen da die grossen Dankeshymnen am Telefon, und dann so etwas. Frau K. wollte noch einmal nach dem Jahr vorbeikommen, um … keine Ahnung … vielleicht ja noch einmal Danke zu himmeln, aber ich konnte fuer nichts garantieren, was ich dann mit der Frau gemacht haette. Da war dann „Sich unpaesslich melden“ doch die elegantere Ausrede, die aufgrund meines damaligen Zustandes nicht einmal von der Hand zu weisen war. Auf jeden Fall war fuer mich das der Tropfen auf dem heissen Stein, dass ich bestimmt nie wieder AYUSA als Organisation waehlen werde. Und ich kann auch nur aus ganzem Herzen von Japan als AYUSA-Land abraten. Keine Ahnung, ob es in Australien oder so bei AYUSA besser aussieht, aber bei AYUSA Nihon hat man es nur mit voellig desinteressierten Leuten zu tun, denen das Wohl der ATS periphaer tangiert. Hauptsache, es gehen viele Leute ins Ausland…

Kategorien: AYUSA · Japan
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