Ich hasse den Pflaumenregen *) …

Es ist Montagmorgen, eine widerliche Zeit nach einem anstrengenden Wochenende mit Sonnabendarbeit und jeder Menge Hausarbeit am Sonntag. Und ich stehe in einem 10 cm tiefen Bach namens Fussweg und fuehle mich wie Satsuki/Saki aus “Unser Nachbar Totoro”, als er Tonnen von Wasser aus den Baeumen stampft. Und warte auf meinen Bus: 10 min, 20 min, 30 min, 40 min … Und nach sage und schreibe 45 min kommt er endlich. Und dann passiert das, was mich dazu bringt,  irgendwelchen Luftgeistern den Stinkefinger zu zeigen: Der sintflutartige Regen hoert ungelogen in dem Moment auf, als ich in den Bus steige. WTF!!! Gluecklicherweise war ich nicht die einzige, die mit dem Regen zu kaempfen hatte, auch wenn ich leider die einzige war, die es leider nicht bis zum Arbeitsbeginn zu ihrem Schreibtisch schaffte. Und dann loesten sich langsam sogar die Wolken auf, so dass die beiden Liebenden Orihime und Hikoboshi sogar eine gute Chance haben duerften, sich heute nacht zu besuchen.

Nur fuer die Statistik: Es fielen bis 100 mm pro Stunde in unserer Praefektur. Der Hoechstgesamtwert betrug 371,5 mm. Das mag jetzt alles nicht soo viel klingen, aber das Gros deutscher Staedte sieht in der Regel nur gerade mal 700 bis 800 mm Regen im Jahr. Und fuer den naechsten Donnerstag ist ein Volltreffer fuer einen extra starken Taifun vorausgesagt. Was fuer ne besch…eidene Woche!!!! *wein*

 

*)Pflaumenregen: 梅雨 Tsuyu oder Baiu, Pflaume+Regen, der Name der japanischen Regenzeit, die in der Regel von Anfang Juni bis Mitte Juli liegt (abhaengig von der Region).

 

Die erste Woche ATS-frei

Die erste Woche zu viert ist vorbei, und ich wage ein Fazit: Es ist erstaunlicherweise nicht so furchtbar, wie ich die ganze Zeit befuerchtet hatte. Ich brauche nicht staendig nach Taschentuechern zu greifen, vielleicht ja, weil ich so viel zu tun habe und keine Zeit fuer Trauer habe. Oder aber das Gefuehl “Das Leben geht weiter!” ist staerker als alles andere. Es sind mehr so die kleinen Sachen, wo ich mich erwische, dass ich 5 Schuesseln rausstellen oder 5 Donuts kaufen will, obwohl wir nur noch 4 brauchen. Und manchmal ist es ein Moment von “Schade, sie ist nicht mehr da.”, wenn ich einen Blick auf das leere Zimmer werfe.

Aber es muss weitergehenm und es geht auch weiter. Ich bin gerade dabei, das ATS-Zimmer und unser Schlafzimmer um- und neu einzuraeumen und habe mich endlich fuer einen neuen Teppich entschieden. Die Kinder hatten auch viel Spass beim Farbeauswaehlen. Mit unserer neuen ATS haben wir mittlerweile auch 2 Mal geskypt, und sie scheint sich so auf uns zu freuen wie wir uns auf sie. WYS hat angerufen, dass die Schulbesuche am Freitag stattfinden werden, wofuer ich sogar auch *mir bleibt der Atem weg* 2 Stunden freinehmen darf, auch wenn ich mir jetzt Sorgen mache, weil am Vortag ein extrastarker Taifun ueber unsere Stadt rueberziehen wird. *Freude pur* Meine Schwiegereltern kommen in knapp 2 Wochen, um dann die Kinder mit in die Ferien zunehmen. Sicherlich waere es schoen, wenn es auch Sommerferien fuer uns geben koennte, aber leider ist das in Japan nur ein Wunschdenken, besonders, weil ich ja schon den extragrossen Gefallen erhalten habe, dass ich mir ganze lange 4 Tage fuer Kambodscha freinehmen durfte. Und das in einer Zeit, wo eigentlich eine Woche freimachen absolut undenkbar im japanischen Denken ist. Aber mal ruhige Morgene ohne irgendwelche groesseren Weckdramen und Essenskaempfe sind sicherlich auch einfach nur Entspannung pur. Und einfach auch mal wieder nur Ehefrau sein auch…

 

 

Und weg ist sie…

Irgendwie kann ich es immer noch nicht fassen, dass M. nicht einfach heute abend oder morgen so wie immer nach Hause kommt.

Heute morgen um 7 Uhr hiess es Koffer ins Auto packen und gen Flughafen abzuduesen. Da WYS erfreulicherweise auf die Uebernachtung in Tokyo verzichtet hatte, fiel der Rueckflug nach Tokyo auf einen Sonnabendmorgen, perfekt fuer arbeitende oder Leute mit Schule, was sich natuerlich die besten Freundinnen von M. dazu benutzten, sie am Flughafen zu verabschieden. Und ploetzlich wedelte M. auch ganz freudig erregt mit den Armen und flippte bald aus, als sie zu ihrer grossen Ueberraschung sah, dass ihre ehemalige Klassenleiterin, die auf eine etwas entfernte Insel versetzt wurde, sich auch nicht hatte nehmen lassen, ihre Austauschschuelerin noch einmal zu sehen. Ich war auch sehr erfreut, nicht nur fuer M., sondern auch, weil ich mich schon lange bei ihr fuer die herzliche, freundliche Aufnahme bedanken wollte.

Natuerlich waren alle, auch ich, traurig, dass M. jetzt heimkehren wuerde, aber ich muss zugeben, dass ich mehr Traenen erwartet haette. Die Tatsache, dass man dieses Mal nicht alleine mit seiner Trauer ist, hatte zumindest mich auch sehr getroestet. Und es ist ja kein entgueltiger Abschied, wenn alles so geht wie geplant, dann kommt sie naechstes Jahr im Maerz zur Abiturfeier ihrer Klasse wieder und kann eventuell sogar noch die Einschulung von Soehnle miterleben. Mal sehen!

Die Einzigen, denen es wirklich gut ging, waren die Kinder, die in ihrem Startum wieder schwelgten, weil gewisse japanische Oberschuelerinnen ihrer klassischen Konditionierung folgten und unter KAWAII-Rufen tausende Fotos der Kinder machten, zu denen die Kinder nur zu gerne posierten. Und natuerlich auch beide Kinder gleich fuer ihre Oberschule rekrutierten.  Nichts von sichtbarer Traurigkeit auf ihrer Seite. Allerdings kamen nach dem Mittagessen besorgte Nachfragen von Soehnle, wann denn M. wieder nach Hause kommen wollte. Toechterle schien verstanden zu haben, dass die Zeit mit M. vorbei ist, aber trotz anderslautender Befuerchtungen auf M.s Seite schien ihr die Zeit trotz gelegentlichen Ausschimpfens durch ONEE-CHAN gefallen zu haben. Jedenfalls fragte sie mich am Abend, wie lange wir denn noch ATS aufnehmen wollen. Und als ich erstaunt/entsetzt fragte, ob sie denn genug davon haette, meinte sie, wir sollen es doch bitte schoen machen, bis sie in der KOU3 (Abiklasse) sei, weil es so viel Spass mache. Ein schoeneres Kompliment fuer M. kann es doch gar nicht geben, oder?

Den Tag benutzte ich fuer den Kampf gegen das werktaegliche Chaos, bis Toechterle und ich (Soehnle war schon im Reich der Traeume) abends dann ein laengeres Skypegespraech mit unserer naechsten ATS hatten. So traurig ein Abschied ist, so muss man nach vorne schauen und sein Leben weiterleben. Und wie ich sowohl M. als auch davor schon J. gesagt hatte: ein trauriger Abschied bedeutet, dass man ein tolles Jahr hatte. Dann hoffe ich mal, dass der naechste Abschied auch so traurig wird!

In dem Sinne noch einen schoenen Sonntag