Der letzte ATS-freie Tag

Die Sommerferien sind fast zuende, die Kinder sind gluecklich und zufrieden am 22. August mit ihrem Papa von ihrer Oma und ihrem Opa (und der ganzen restlichen “Sippe”) zurueckgekehrt. Selbst mein Kleiner, fuer den Mama sonst alles ist und der mir nach meiner Rueckkehr auch prompt erzaehlte, wie einsam er war und mich vermisst hatte, fing heute an zu planen, wann er denn wieder zum Oma-n-chi (zum Haus der Oma) zurueckkehren koennte. So viel also zu der schrecklich einsamen Zeit… .

Das Wochenende nach der Rueckkehr war mit dem Waschen und Einraeumen der mitgebrachten dreckigen Waesche ausgefuellt, und da unter der Woche nicht viel Zeit ist zu grossartigen Haushaltsaktionen und Putzfrauen hier unueblich (lies: nicht existent) sind, bedeutet der Sonnabend i.d.R. , dass das der Haushaltstag der Woche wird. Ich nahm mir also heute unter Protesten der Kinder die Freiheit, sie dazu zu “zwingen”, mir beim Bekaempfen der Waescheberge zu helfen. Immerhin gehoerte das Gros der Waesche ihnen. Erstaunlicherweise ist es mein Kindergartenzwerg, der jetzt schon mit seinen 6 Jahren der weit bessere Waeschefalter und -wegraeumer ist.

Die Kinder zum Aufraeumen ihres Zimmers geschickt, und ich stuerzte mich auf den Rest der Wohnung, den ich auch fast vollstaendig durchgeputzt bekam. Nur die Toilette und einen Teil des Wohnzimmers erlaubt ich mir dann doch, dem von der Arbeit heimgekehrten Goettergatten zu ueberlassen.

Ich hatten schon die ganze Zeit ueberlegt, ob ich diese einmalige Gelegenheit nicht dazu nutzen sollte, mal wieder einen meiner Kimonos zu tragen. Viel Zeit dafuer habe ich ja leider nicht, und im Gegensatz zum Gross anderen Sachen in dieser Welt vergisst man schnell mal, wie man’s macht, wenn man sich nicht regelmaessig anzieht. Insofern sind Kimonos, so schoen sie auch aussehen moegen, absolut unpraktisch und zumindest die jetzige Anziehmethode (die perfekt-faltenfrei-elegante von Samuraifrauen) nicht wirklich alltagstauglich. Naja, aber als Toechterle mit einem “Ich bin dafuer geboren, einen Kimono anzuziehen.” kam und ich beschloss, die Yukata der Kinder nicht wegzuraeumen, hatte sich auch die Frage meiner morgigen Kleiderwahl schon eruebrigt. Ich werde also doch noch einmal meinen Sommerkimono (etwas anderes als ein Yukata) ausfuehren, bevor er dann wohl doch bis zum naechsten Spaetfruehjahr in die “Kiste” muss.

Ja, dann hoffe ich mal, dass es J2 hier gefallen wird und wir alle eine Menge Spass miteinander haben werden.

 

Sie koennen es also doch, …

…wenn sie wollen. Und bei dem “Es” handelt es sich ums Deutschsprechen. Nicht, dass es Soehnle je einfallen wuerde, nur mal irgend etwas zu sagen. Das Hoechste, was ich mal erwarten darf, ist, dass er das wichtigste Wort aus meinem deutschen Satz nimmt und es so in seinen japanischen einbaut. Und Toechterles Deutschsprechversuche halten sich auch extremst in Grenzen, so dass ich eher gewillt bin, ihr ein nur passives Deutsch zu einem gewissen Niveau zu bescheinigen.

Am Freitag hatte ich im Rahmen von Soehnles Geburtstag mal wieder die Chance, mit dem etwas schwangeren Gastkind Nr. 0 zu reden, wobei wir auch ueber die Zeit in Kambodscha mit ihren Eltern zusammen im Hotel sprachen. Und dabei erwaehnte sie, dass die Kinder durchaus mit ihren Eltern oder ihrem Bruder Deutsch redeten, sobald sie und ich BEIDE nicht anwesend waren. Da merkten die Kleinen anscheinend, dass ihr Japanisch nicht verstanden wird, und sie mussten sich auf ihr Deutsch verlassen. Sicherlich war es nicht weltbewegend gut, aber immerhin in so weit brauchbar, dass man mit der netten Oma und Opa auf Zeit kommunizieren konnte.

Da die Kinder einen Teufel tun wuerden, freiwillig in der fuer sie schwierigeren Sprache zu sprechen, und irgendwie auch nie die Sprache auf das Thema kam, war ich von der Erzaehlung von Gastkind Nr. 0 voellig ueberrascht. Positiv versteht sich! Yeah!!! Ein Grund mehr, weiterhin mit ihnen deutsche Trickfilme und anderes anzuschauen, auch wenn ich mir jetzt durchaus auch Schoeneres vorstellen koennte, mit dem ich meine Zeit verbringen koennte.

Gastfamilientreffen

Dieses Jahr war der Sommer bei weitem nicht so unangenehm wie die letzten beiden, auch wenn ein Teilgrund auch das besser isolierte Haus sein koennte, dafuer sind wir dieses Jahr von Regen der Marke “Wir kippen uns STUNDENLANG 20-l Wassereimer ueber den Kopf” und von richtigen Taifune gesegnet. Das erste Treffen mit der 3. Gastfamilie stand schon wegen eines Taifuns ziemlich in der Schraege, und jetzt, wo die langerwartete Party mit allen 3 GF anlag, sollte wieder ein Taifun ueber unsere Stadt hinwegziehen. Wieder wurde es eine volle Woche voller Bibberns und Zitterns, welchen Weg der auch wieder einmal sehr starke Taifun denn jetzt nehmen wuerde. Gluecklicherweise aenderte sich die Route noch so, dass die Auswirkungen auf unsere Stadt hier so klein wie nur moeglich waren, wenn man bedenkt, dass das Auge des Taifuns ca. 50 km suedlich ueber Kyuushuu hinwegzog, so dass die Party doch stattfinden konnte.

Die Familie H. hatte eine Takoyakiparty geplant, und Goettergatte und ich kauften am Vortag noch ein paar partytaugliche Dinge aus Deutschland, Frankreich und Schweden, um etwas auf das geplante grosse Ereignis einzustimmen. Wir fuhren zusammen mit der Familie der Franzoesin zum Haus der H.s, an dessen Ort ich mich gluecklicherweise noch richtig erinnern konnte. Goettergatte als geborener Kansaimensch hat ja Takoyakibraten schon mit der Muttermilch zusammen eingesogen, so dass er ein echtes Haendchen dafuer hat. Und der Vater der H.s als Kochi-mensch hatte auch ein Haendchen dafuer, so dass uns Frauen relativ wenig Arbeit uebrigblieb vom “Fuettern” der 2 kleinen Kinder mal abgesehen. Das liess uns natuerlich auch viel Zeit zum Reden: Nicht nur ueber die geplante Aufnahme, sondern auch so ueber alles Moegliche. Ich kann mich selten an so nette Zeiten erinnern wie diese Party.

Als ich den Vater H. das erste Mal traf, hatte ich das Gefuehl, dass sich Goettergatte und er vortrefflich verstehen wuerden. Und ja, als sie sich trafen, hatten sich da wirklich 2 verwandte Seelen getroffen, und die Maenner sprachen bald schon so miteinander, als ob sie sich seit Urzeiten kennen wuerden. Und das ist selbst in Suedjapan nicht wirklich selbstverstaendlich.

Viel zu schnell waren dann schon 5 Stunden vorbei, und da meine Freundin noch einen Termin hatte, hiess es dann doch, wieder Abschied zu nehmen. Gefallen hatte es aber anscheinend wirklich allen, so dass der Vater H. vorschlug, dass wir doch das naechste Mal eine Yakinikuparty machen koennten. Er machte auch den Vorschlag, dass wir doch dann an dem Tag dort uebernachten koennten, dass ein kleines Bierchen oder 2 im absolut Antialkohol-land Japan beim Autofahren kein Problem mehr sein wuerde. Das wird bestimmt ein interessante Erfahrung, wenn dann ploetzlich 8-10 Leute mehr in dem Haus sein werden. Aber fuer ne Nacht ist das bestimmt auch mal ganz nett, und fuer die Dusche am Abend gibt es ein Onsen um die Ecke. Ich hoffe, dass wir die Aktion bald mal machen koennen.