Goettergatte wollte eine bestimmte Lizenz ablegen, die er diesmal fuer Miyazaki buchte, so dass wir schon vor laengerer Zeit beschlossen hatten, den Tag fuer einen Ausflug zu benutzen. Schliesslich bin z.B. ich vor ueber 8 Jahren das letzte Mal da gewesen, und fuer Goettergatten war es das erste Mal. N. hatte am Vortag im Klub als Krafttrainingungewohnte so viel gemacht, dass sie sich einen absolut schmerzhaften Muskelkater davon geholt hatte und leider so auch voellig fertig war. Und ihren normalen 4-Stunden-Sonnabendnachmittagsschlaf liess sie dann fuer mit einer Freundin einkaufen gehen sausen. Aber irgendwie entschloss sie sich wohl doch, doch mit uns mitzukommen.
Goettergatte fuhr zu der Oberschule, wo die Pruefung veranstaltet wurde, und dann hatten wir die Zeit bis zum Ende zur freien Verfuegung. Ich hatte auf dem Hinweg einen Wegweiser zu den Schlossruinen der Stadt gesehen und dachte, dass es doch vielleicht interessant sein sollte. Alles andere als vor Begeisterung spruehend kam N. mit, auch wenn ich verstehen kann, dass Ruinen und alte Treppen nicht sooo attraktiv fuer junge Leute sein koennen, besonders wenn die Beine „leicht“ schmerzen und man selbst lindernde Einreiben absolut ablehnt.
<Grosses Maedchen> war jedenfalls hellauf begeistert, besonders nachdem sie den Spielplatz mit den zwei Rutschen gesehen hatte. Und dann ging es weiter den Berg hinauf, wo wir dann einen Vater mit 3 kleinen Kindern trafen. <Grosses Maedchen> zeigte sofort grosses Interesse an den groessen beiden, und ich unterhielt mich mit dem Vater, wogegen N. es vorzug, virtuelle Blumen zu saeen und giessen. Auf dem Schlossberg war eine grosse japanische Glocke, die ca. alle 2 Stunden die Zeit angab. Wir unterhielten uns mit der zustaendigen Dame und bekamen die absolute Ausnahmegenehmigung, doch einmal die Glocke schlagen zu duerfen, woran dann auch N. Interesse zeigte. Wir hielten uns strengstens an die Zeitvorgaben, und die Dame teilte uns erfreut mit, dass an unseren Laienschlaegen absolut nichts auszusetzen war und sie genau wie die normalen Schlaege klangen. Denn eine Glocke schlagen klingt vielleicht einfach, aber um sie dazu zu bewegen (im wahrsten Sinne des Wortes), einen guten Ton von sich zu geben, muss man extrem viel Kraft aufwenden und den waagerecht haengenden grossen, schweren „Kloeppel“ mit Gewalt an die Glocke hauen.
Vom Berg aus hatte man einen guten Blick auf die Stadt, und u.a. konnte man ein bestimmtes Einkaufszentrum sehen. Da ein kleiner Junge ja sich versorgt haben will und Windeln wechseln etc. im BEBIIRUUMU viel leichter als auf der Parkbank geht, beschloss ich, dahin zu fahren. Eine gewisse Thailaenderin zeigte unerwartet sehr grossen Enthusiasmus, und auf meine interessierte Frage nach dem Warum hin kam ein „Das ist es schoen kuehl!“ *umkipp* Wie gesagt, dieselbe Thailaenderin erzaehlt uns mit einer schoenen Regelmaessigkeit, wie kalt denn die japanischen Sommer seien und dass sie dann ueberhaupt Null Probleme damit haben wird.
Gesagt getan, dank dem Vater vom Berg fanden wir auch gleich den Weg dahin. Ich hoffte, dass ich <grosses Maedchen> kurz bei N. lassen koennte, damit ich den Kleinen schneller fertig bekomme. Aber Fehlanzeige! Ich war noch nicht einmal angekommen, da kam der Panikanruf, dass <grosses Maedchen> alles andere als nur mit N. zu sein als ausreichend empfinden wuerde und nach Mama rufe. Mann, 10 min! Das war so der Punkt, wo ich doch mal traurig an L. dachte, die durchaus keinerlei Probleme darin gesehen hatte, mal selbst eine bockende 2-Jaehrige fuer so kurze Zeit unter ihre Fittiche zu nehmen. *seufz*
Naja, es war nichts zu machen, <grosses Maedchen> wieder abgeholt und wieder die Strecke zurueck zum BEBIIRUUMU. Trotz oder dank der Hilfe von <grossem Maedchen> hatten dann beide wieder einen trockenen Hintern und fuellten dann die verlorenene Fluessigkeit auch gleich wieder auf. Und waehrend <grosses Maedchen> diverse Geraete im Spielzentrum untersuchte und <kleiner Junge> im Krabbelkreis Kontakte mit Gleichaltrigen knuepfte, wartete ich auf Goettergatten, der zusammen mit „einem Freund“ kommen wollte. „Der Freund“ stellte sich dann als eine Kollegin heraus, die ich beim letzten Betriebsfest auch mal kennengelernt hatte. Da auch sie nichts fuer die Tag vorhatte und erst seit kurzem in der Stadt wohnt, beschlossen wir, zusammen zu essen und dann die Stadt ein bisschen zu erforschen.
N. verzichtete gerne auf den Besuch des Schreins und beschloss den ausgefallenen 4-Stunden Nachmittagsschlaf vom Vortag nachzuholen. Der Rest von uns hatte eine schoene Zeit miteinander, auch wenn der Schrein jetzt nicht soo extrem was Besonderes, sondern ein normaler gut gepflegter Stadtschrein war. Dann fuhren wir auf Goettergattens Wunsch zu einem Ort, wo das historische Vorbild vom „Last Samurai“-Samurai Saigou Takamori 西郷隆盛 einige seiner letzten Lebenstage verbrachte. Da er der Feudalherr von Satsuma (heute Kagoshima, ganz im Sueden von Kyuushuu) war, haette ich mir nicht vorstellen koennen, dass er die letzte Schlacht gegen die neue Zentralregierung Japans im Norden von Miyazaki plante und nicht allzu weit davon entfernt dann auch starb. N. kam auch mit und schaute es sich an, auch wenn sie mehr Interesse an Leseuebungen der Namen von Gefallenen waehrend des Krieges zu haben schien. Naja, warum nicht. Und es ist ja auch schoen, dass sie nach 3 Monaten schon so viele Namen lesen kann.
Nach dem Besuch hatte <grosses Maedchen> sichtlich grossen Spass daran, besonders mit Goettergattens Kollegin zusammen Kleeblumen zu suchen und zu pfluecken. <Kleiner Junge> wollte es ihr nachtun, aber irgendwie klappt die Augen-Hand-Mund-Koordination doch noch nicht soooo gut. ^^Aber trotz der Fehlversuche schien er das Ganze absolut faszinierend zu finden und lachte uebers ganze Gesicht.
Dann verabschiedeten wir uns von der Kollegin und fuhren wieder Richtung Heimat. Zwischendurch noch ein kurzer Stopp an einem MICHI-NO-EKI (einem „Bahnhof “ oder Rasthaltstelle fuer Autofahrer), und es fielen noch Eis und Kekse ab. Und dann ging es noch schneller nach Hause als auf dem Hinweg, zumindest erschien es mir so. Ehe man es sich dachte, waren wir wieder in unserem kleinen Stadtteil.