Higanbana’s Blog

L. ist wieder da

27. Juni 2009 · 2 Kommentare

Freitag frueh wollte die Kleine von mir in den Kindergarten gebracht werden, und als ich wieder da war, meinte Goettergatte nur, dass irgendein Mann aus Deutschland angerufen habe. Ein Mann? Gruebel, gruebel, mein Vater kann’s ja nicht gewesen sein. Vielleicht ja L.s Vater? Aber wenn er nach L. fragen sollte, ist er noch viel zu frueh dran. Ein halbe Stunde spaeter dann loeste sich das Raetsel selber, der Flieger hatte ne Panne und ist wohl irgendwo notgelandet. *schock* Gluecklicherweise war das wohl eher eine Routinesache und es ist nichts passiert. Dafuer wurde L. dann ueber London umgebucht und bekam dann natuerlich auch nicht ihren Anschlussflug nach Fukuoka. Gegen 17.00 Uhr kam dann endlich der erloesende Anruf, dass sie doch noch irgendwie auf einen Flug gebucht wurde und gegen 20.00 Uhr in Fukuoka eintreffen wuerde. Und dann gegen 21.00 Uhr teilte sie uns noch einmal mit, dass sie kurz vor 0.00 Uhr bei uns am Hauptbahnhof eintreffen wuerde, wo sie dann Goettergatte abholen wuerde. Und ja, ja, Murphy’s Gesetz laesst gruessen, dort hatten sie sich irgendwie verpasst und warteten noch ne halbe Stunde aufeinander.

Jedenfalls war nach Mittagnacht und fuer 32 Stunden nach dem Abflug, als sie endlich wieder hier ankamen. So sehr ich mich auch freute, so bremste ich mich doch, oder uns, und schickte L. ins Bett, worueber sie dann auch ziemlich dankbar war.

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Miyazaki

21. Juni 2009 · Kommentar schreiben

Goettergatte wollte eine bestimmte Lizenz ablegen, die er diesmal fuer Miyazaki buchte, so dass wir schon vor laengerer Zeit beschlossen hatten, den Tag fuer einen Ausflug zu benutzen. Schliesslich bin z.B. ich vor ueber 8 Jahren das letzte Mal da gewesen, und fuer Goettergatten war es das erste Mal. N. hatte am Vortag im Klub als Krafttrainingungewohnte so viel gemacht, dass sie sich einen absolut schmerzhaften Muskelkater davon geholt hatte und leider so auch voellig fertig war. Und ihren normalen 4-Stunden-Sonnabendnachmittagsschlaf liess sie dann fuer mit einer Freundin einkaufen gehen sausen. Aber irgendwie entschloss sie sich wohl doch, doch mit uns mitzukommen.

Goettergatte fuhr zu der Oberschule, wo die Pruefung veranstaltet wurde, und dann hatten wir die Zeit bis zum Ende zur freien Verfuegung. Ich hatte auf dem Hinweg einen Wegweiser zu den Schlossruinen der Stadt gesehen und dachte, dass es doch vielleicht interessant sein sollte. Alles andere als vor Begeisterung spruehend kam N. mit, auch wenn ich verstehen kann, dass Ruinen und alte Treppen nicht sooo attraktiv fuer junge Leute sein koennen, besonders wenn die Beine „leicht“ schmerzen und man selbst lindernde Einreiben absolut ablehnt.

<Grosses Maedchen> war jedenfalls hellauf begeistert, besonders nachdem sie den Spielplatz mit den zwei Rutschen gesehen hatte. Und dann ging es weiter den Berg hinauf, wo wir dann einen Vater mit 3 kleinen Kindern trafen. <Grosses Maedchen> zeigte sofort grosses Interesse an den groessen beiden, und ich unterhielt mich mit dem Vater, wogegen N. es vorzug, virtuelle Blumen zu saeen und giessen. Auf dem Schlossberg war eine grosse japanische Glocke, die ca. alle 2 Stunden die Zeit angab. Wir unterhielten uns mit der zustaendigen Dame und bekamen die absolute Ausnahmegenehmigung, doch einmal die Glocke schlagen zu duerfen, woran dann auch N. Interesse zeigte. Wir hielten uns strengstens an die Zeitvorgaben, und die Dame teilte uns erfreut mit, dass an unseren Laienschlaegen absolut nichts auszusetzen war und sie genau wie die normalen Schlaege klangen. Denn eine Glocke schlagen klingt vielleicht einfach, aber um sie dazu zu bewegen (im wahrsten Sinne des Wortes), einen guten Ton von sich zu geben, muss man extrem viel Kraft aufwenden und den waagerecht haengenden grossen, schweren „Kloeppel“ mit Gewalt an die Glocke hauen.

Vom Berg aus hatte man einen guten Blick auf die Stadt, und u.a. konnte man ein bestimmtes Einkaufszentrum sehen. Da ein kleiner Junge ja sich versorgt haben will und Windeln wechseln etc. im BEBIIRUUMU viel leichter als auf der Parkbank geht, beschloss ich, dahin zu fahren. Eine gewisse Thailaenderin zeigte unerwartet sehr grossen Enthusiasmus, und auf meine interessierte Frage nach dem Warum hin kam ein „Das ist es schoen kuehl!“ *umkipp* Wie gesagt, dieselbe Thailaenderin erzaehlt uns mit einer schoenen Regelmaessigkeit, wie kalt denn die japanischen Sommer seien und dass sie dann ueberhaupt Null Probleme damit haben wird.

Gesagt getan, dank dem Vater vom Berg fanden wir auch gleich den Weg dahin. Ich hoffte, dass ich <grosses Maedchen> kurz bei N. lassen koennte, damit ich den Kleinen schneller fertig bekomme. Aber Fehlanzeige! Ich war noch nicht einmal angekommen, da kam der Panikanruf, dass <grosses Maedchen> alles andere als nur mit N. zu sein als ausreichend empfinden wuerde und nach Mama rufe. Mann, 10 min! Das war so der Punkt, wo ich doch mal traurig an L. dachte, die durchaus keinerlei Probleme darin gesehen hatte, mal selbst eine bockende 2-Jaehrige fuer so kurze Zeit unter ihre Fittiche zu nehmen. *seufz*

Naja, es war nichts zu machen, <grosses Maedchen> wieder abgeholt und wieder die Strecke zurueck zum BEBIIRUUMU. Trotz oder dank der Hilfe von <grossem Maedchen> hatten dann beide wieder einen trockenen Hintern und fuellten dann die verlorenene Fluessigkeit auch gleich wieder auf. Und waehrend <grosses Maedchen> diverse Geraete im Spielzentrum untersuchte und <kleiner Junge> im Krabbelkreis Kontakte mit Gleichaltrigen knuepfte, wartete ich auf Goettergatten, der zusammen mit „einem Freund“ kommen wollte. „Der Freund“ stellte sich dann als eine Kollegin heraus, die ich beim letzten Betriebsfest auch mal kennengelernt hatte. Da auch sie nichts fuer die Tag vorhatte und erst seit kurzem in der Stadt wohnt, beschlossen wir, zusammen zu essen und dann die Stadt ein bisschen zu erforschen.

N. verzichtete gerne auf den Besuch des Schreins und beschloss den ausgefallenen 4-Stunden Nachmittagsschlaf vom Vortag nachzuholen. Der Rest von uns hatte eine schoene Zeit miteinander, auch wenn der Schrein jetzt nicht soo extrem was Besonderes, sondern ein normaler gut gepflegter Stadtschrein war. Dann fuhren wir auf Goettergattens Wunsch zu einem Ort, wo das historische Vorbild vom „Last Samurai“-Samurai Saigou Takamori 西郷隆盛 einige seiner letzten Lebenstage verbrachte. Da er der Feudalherr von Satsuma (heute Kagoshima, ganz im Sueden von Kyuushuu) war, haette ich mir nicht vorstellen koennen, dass er die letzte Schlacht gegen die neue Zentralregierung Japans im Norden von Miyazaki plante und nicht allzu weit davon entfernt dann auch starb. N. kam auch mit und schaute es sich an, auch wenn sie mehr Interesse an Leseuebungen der Namen von Gefallenen waehrend des Krieges zu haben schien. Naja, warum nicht. Und es ist ja auch schoen, dass sie nach 3 Monaten schon so viele Namen lesen kann.

Nach dem Besuch hatte <grosses Maedchen> sichtlich grossen Spass daran, besonders mit Goettergattens Kollegin zusammen Kleeblumen zu suchen und zu pfluecken. <Kleiner Junge> wollte es ihr nachtun, aber irgendwie klappt die Augen-Hand-Mund-Koordination doch noch nicht soooo gut. ^^Aber trotz der Fehlversuche schien er das Ganze absolut faszinierend zu finden und lachte uebers ganze Gesicht.

Dann verabschiedeten wir uns von der Kollegin und fuhren wieder Richtung Heimat. Zwischendurch noch ein kurzer Stopp an einem MICHI-NO-EKI (einem „Bahnhof “ oder Rasthaltstelle fuer Autofahrer), und es fielen noch Eis und Kekse ab. Und dann ging es noch schneller nach Hause als auf dem Hinweg, zumindest erschien es mir so. Ehe man es sich dachte, waren wir wieder in unserem kleinen Stadtteil.

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Menschenrechte

20. Juni 2009 · 3 Kommentare

Heute war wieder Kinderenglischklub, wo ich etwas verspaetet und 100%igem Versagen der Stimme trotzdem den Kindern einen guten Eindruck vom Osterfest geben konnte. Die Suessigkeiten wurden nach leichteren Schuechternheitsanfaellen mit grossen Freuden gesucht. Und auch wenn einige Kinder nicht ganz glauben wollten, dass man Ostereier wirklich essen kann und erst sehen mussten, wie ich echt eines vertilge, so waren doch trotzdem alle voellig begeistert davon. Ein Junge meinte sogar, er wolle es aufheben, weil es viel zu schade zum Essen sei. Wie lange halten sich eigentlich gekochte Eier? *sich fragend am Kopf kratz*

So weit, so gut. Da ich die Einstellung des Kulturhausleiters zwar nicht gut finde, aber auch nicht nicht nachvollziehen kann, habe ich natuerlich das Thema meines blinden kleinen Freundes nicht mehr angerissen. Es bringt so wieso nichts, und ich als Auslaender bin da leider nicht in der Situation, dass ich in so einer Beziehung irgendwie fuer voll genommen werde. Und Deutschland ist ja in puncto versicherungstechnische Absicherung und deshalb teilweise echt sinnlose Folgen auch nicht gerade ein Unschuldslamm. Aber dann passierte etwas, dass mich doch ziemlich schockierte und innerlich auch aufgeregt hat. Die Verantwortliche des Englischklubs, die eigentlich ja eher dem Ganzen positiv gegenueber eingestellt sein sollte, sprach mich darauf an und wollte wissen, WARUM ich das machen wolle. Ehm, ja, um Kindern auch das Konzept Toleranz beizubringen. Davon mal abgesehen, dass sie das Wort erst ueberhaupt nicht verstanden hatte, kam dann ein „Ja, aber das sei aber ein Englischklub und die Eltern haetten was dagegen.“ Ich hatte noch das Gefuehl, dass sie voellig befuerchtete, dass ich dann an dem Tag keinen vernuenftigen Englischunterricht durchziehen wuerde und versuchte sie zu beruhigen. Aber sinnlos, sie sagte mir nur, dass ja hier alles ehemalige Grund- und Mittelschullehrer und -direktoren arbeiten wuerden und die ja Verantwortung den Eltern gegenueberhaetten, die sich ja dann beschweren wuerden, wenn ploetzlich ein Blinder mit kommen wuerde. Und ueberhaupt ist das fuer die Erst- bis Drittklaessler viiiiiel zu schwer zu verstehen. Und wenn er kommen wuerde, dann muesste man das ja beim staedtischen Schulamt beantragen, weil das ja die Menschenrechte betrifft. Das kann ja nicht einfach so entschieden werden.

Ich wusste ehrlich gesagt nicht mehr, was ich denken und fuehlen sollte. Da wird von Menschenrechten geredet und im gleichen Augenblick ein japanischer Mitmensch mit einem klitzekleinen Augenproblem so extrem diskriminiert. Wir reden hier noch nicht von Schwerverbrechern oder aehnlichem, was dem Wohl der uns anvertrauten Kindern schaden wuerde. Und schlimmer noch, die Frau war immerhin nicht Baujahr Vorkriegszeit, sondern ist schaetzungsweise Ende 30, Anfang 40. Die Sache mit dem Kleinen hat sich erledigt, ich werde dem Kulturhaus gegenueber jedenfalls nicht mehr das Thema ansprechen. So Wasser-predigende-und-Wein-trinkende-Leute habe ich schon lange nicht mehr getroffen. Also habe ich das Thema gewechselt und vorsichtshalber nur einmal wegen einer Austauschschuelerin gefragt, die uns in den Sommerferien besuchen kommt und gerne mal so einen Kinderkurs erleben moechte. Wenn jetzt so wegen der negativen Reaktion der Eltern Angst besteht, dann ist es vielleicht besser, wenn sie nicht mitkommt. Und dann passierte der Hoehepunkt: Ja, die Verantwortliche will wegen dem letzten O.k. des Kulturhausleiters noch mal nachfragen, aber es muesste in Ordnung sein. Dann moechte ich ehrlich gesagt mal wissen, was eine ATS hat, was ein japanische Staatsbuerger mit Sehdefiziten nicht hat. Boah, also wie mich das aufregt. Und es gibt nicht echt was, was man da machen kann.

In dem Sinne einen schoenen Tag noch

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